Presseberichte

Aus der "Luzerner Woche", 20. September 2000, von Christina Mattli-Trachsel 

Englisch mit dem Nilpferd 

Alle reden von Englisch in der Primarschule. Die Weltsprache soll künftig früher gelernt werden, damit unsere Kinder den Anschluss ans Computer-Zeitalter ja nicht verpassen. Dabei gibt es Orte, wo bereits Kindergärtler Englisch lernen können. Spielerisch, unverkrampft und vor allem sehr effektiv. 

Catherine Keller zuckt die Schultern, wenn man sie auf die zurzeit laufende Englisch- Diskussion anspricht. Für die Leiterin des Montessori-Kinderhauses Meggen ist das Schnee von gestern. Die gebürtige Amerikanerin hatte schon vor über acht Jahren die Idee, ihre Schützlinge mit Englisch vertraut zu machen. Ausserhalb des regulären Kindergartenbetriebes, der nach den Richtlinien der italienischen Pädagogin Maria Montessori geführt wird, rief sie das "Wadnesday English" ins Leben. Kindern, die auch am freien Mittwoch Nachmittag in den Kindergarten kommen wollten, bot sie spielerische Englischlektionen, in den vor allem Grundlagenwissen vermittelt wurde. Noch mehr wurde jedoch gelacht. Und gesungen, weshalb der Freiwilligen-Kurs schon bald "Singlish" genannt wurde. 

Langjährige Erfahrung 

Seit letzten Herbst gibt es allerdings kein "Wednesday English" mehr. Catherine Keller beschloss nämlich, aufgrund der im Mittwoch-Kurs gemachten Erfahrungen auch im regulären Kindergartenbetrieb mit Englisch zu arbeiten. Die Kinder wurden auf Englisch begrüsst, lernten anhand praktischer und alltäglicher Beispiele Farben, Zahlen, Früchte oder Tiere auf Englisch zu bezeichnen und merkten kaum, dass sie mitten in einem spannenden Unterrichtsprojekt steckten, das ihnen für das spätere Fremdsprachen-Lernen grosse Vorteile einbringt. "Kinder lernen intuitiv, je früher desto besser", weiss die Pädagogin. "Sie erfassen schnell, was 'Put your shoes on' bedeutet oder dass ein 'dog' ein Hund ist." Wichtig sei nur dass man die fremde Sprache für die Kinder nachvollziehbar, lebendig vermittelt. Ihre Gruppe machte schon im ersten Jahr erstaunliche Fortschritte in Sachen Hörverständnis und Ausdrucksfähigkeit, nicht zuletzt, weil Barbara Leiser, die zweite Lehrperson, aus Südafrika stammt. "Mit Barbara ist es leicht, die Kinder auf Englisch zu unterrichten", berichtet Keller. Und fügt schmunzelnd hinzu: "Auch wenn ihr südafrikanisches Englisch manchmal von meinem US-Englisch so sehr abweicht, dass wir ein Wörterbuch konsultieren müssen." 

Lehrerin aus Überzeugung 

Inzwischen hat sich Catherine Keller noch einen Schritt weiter gewagt: "Das erste Jahr verlief derart ermutigend, dass wir zur Immersions-Methode übergegangen sind." Der Unterricht findet grundsätzlich in Englisch statt. Die Kinder dürfen aber in Mundart antworten. Ausnahmen gibt es dort, wo ein Kind gezielt in Deutsch gefördert werden muss. "Es macht wenig Sinn, ein fremdsprachiges Kind, das Deutsch lernen sollte, in Englisch zu fördern." Dass sie zurzeit wegen personeller Engpässe nur eine Abteilung führen kann, bedauert Catherine Keller zwar, aber sie findet es vernünftiger, als jemanden einzustellen, "der sich nur halbherzig engagiert". Wie sie sowieso überzeugt ist, dass nur der ein guter Lehrer sein kann, der dazu geboren wurde. "Lehrer sein hat man im Blut - oder eben nicht. Wenn nicht, dann sollte man die Finger davon lassen." So hat sie trotz Personalmangel Bewerber abgewiesen, weil sie nicht das entsprechende "comitment" and den Tag legten. Diese Hingabe verlangt sie von allen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und ist selbst das beste Vorbild für diesen Anspruch, denn die Lehrerin aus Überzeugung könnte sich ein LEben ohne Schule nicht vorstellen. Amüsiert reagiert sie auf die Frage, wie denn die Kindergärtler auf den Englischunterricht ansprechen. Immerhin werden schon Dreijährige im Montessori-Kinderhaus aufgenommen. Und die haben ja manchmal noch mit ihrer Muttersprache Probleme. "Die Jüngeren finden vor allem die Lieder und Spiele toll. Momentan ist unser Tierspiel der Renner. Am besten gefällt ihnen dabei das Wort 'hippopotamus'." Und wenn das Nilpferd hilft, dass die Kleinen ihr Sprachgefühl weiter entwickeln, dann wird eben das Tierspiel gemacht. "Wenn nötig wochenlang", seufzt Catherine KEller ergeben.