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Aus der "Luzerner Woche", 7.Juli 1999, von Christina Mattli-Trachsel 

Englisch in Meggen - kinder(garten)leicht 

Vorschulkinder haben das beneidenswerte Talent, relativ mühelos eine Fremdsprache zu lernen. Dieser Tatsache wird in der Schulrealität allerdings nur spärlich Rechnung getragen. Frühfranzösisch ab der fünften Klasse ist heute der Normalfall. Das Montessori Kinderhaus in Meggen geht mit Beginn des neuen Schuljahres nun einen grossen Schritt weiter. Ab August wird der private Kindergarten zweisprachig geführt, für Vorschulkinder aber auf rein mündlicher Basis.

Eigentlich lag die Idee auf der Hand, denn Catherine Keller, die langjährige Leiterin des Kinderhauses, stammt aus der USA - unüberhörbar. Nachdem sie im Luzerner Wesemlinquartier einen Kindergarten nach den Leitlinien der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1879-1952) geführt hatte, bot sich ihr 1988 die Gelegenheit, nach Meggen zu zügeln. Seither kümmern sich im Huob je zwei Lehrerinnen um eine Morgen- und eine Nachmittagsgruppe, die im Schnitt aus etwa 25 Kindern im Alter zwischen drei und sieben Jahren besteht. 

Immer mittwochs 

Fünf Jahre später kam Catherine Keller, seit dreissig Jahren eine Montessori-Pädagogin aus Berufung, auf die Idee mit dem "Wednesday English". Der Kindergarten ist auch am Mittwoch Nachmittag geöffnet. Allerdings findet dann der Unterricht auf Englisch statt. Da werden die Bauernhoftiere mit ihren englischen Namen bezeichnet. Beim Malen lernen die Kinder die Farben. Und statt das es "Ziehe deine Finken an!" heisst, tönt es mittwochs "Put on your slippers!". "Wenn ein Kind solche Sätze immer wieder hört, dann begreift es bald ihren Sinn", erklärt Catherine Keller ihre Methode. "Im 'Wednesday English' rede ich grundsätzlich Englisch. Wenn jemand das nicht versteht, wiederhole ich das Gesagte zuerst auf Deutsch und dann nochmals auf Englisch." Das Angebot wird rege genutzt. Sogar Erstklässler kommen am freien Mittwoch Nachmittag zu Katy, wie die Kinder ihre Lehrerin nennen. Die dürfen sogar auf Englisch lesen und schreiben. Schliesslich können die "Grossen" das schon. "Für die Vorschulkinder läuft der Unterricht auf rein mündlicher Basis", erläutert Catherine Keller. "Unser Ziel ist es nicht, den Kindern einen strukturierten Sprachunterricht zu vermitteln. Die Erfahrungen mit einer fremden Sprache sollen einfach ein wenig dazu beitragen, Hemmungen und Schwellenängste vor dem Fremden, Unbekannten abzubauen." Ein Ziel übrigens, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Montessori-Pädagogik zieht. 

Akzeptanz bei den Eltern 

Eigentlich ist es erstaunlich, dass die versierte Pädagogin nicht schon viel früher auf die Idee gekommen ist, die Praxiserfahrungen ihres Mittwochkurses auch für den regulären Kindergartenbetrieb zu nutzen. Sie selbst ist darüber auch erstaunt. "Daran gedacht habe ich immer wieder, aber es hat tatsächlich lange gedauert, bis ich diesen Schritt realisiert habe." Mit ein Grund dafür könnte sein, dass zu ihrem jetzigen Team eine Lehrperson gehört, deren Muttersprache ebenfalls Englisch ist. Yvonne Bauer kommt aus Südafrika. Zudem sprechen die beiden Schweizer Lehrerinnen Dora Frey und Miriam Enzler sehr gut Englisch. "Diese sprachliche Ausgewogenheit ist enorm wichtig, den Kinder, die noch nicht gut genug Deutsch können, werden primär im Deutsch gefördert", beschreibt Catherine Keller das neue System. "Den übrigen wollen wir vor allem mit alltäglichen Redewendungen ein Gefühl für die fremde Sprache vermitteln." Dank der individuellen Arbeitsweise, die die Montessori-Pädagogik verlangt, ist das kein Problem. Von Elternseite her gab es viele positive Reaktionen auf das Projekt. "Wir waren überrascht, wie begeistert sie diese Idee aufgenommen haben", berichtet Catherine Keller. "Wichtig beim zweisprachigen Unterricht ist vor allem, dass er den Kindern Spass macht. Ohne Humor kann man nicht unterrichten." Catherine Keller ist überzeugt, dass Spracherfahrungen lustvoll sein müssen, damit etwas haften bleibt. Dass sie die richtige Frau ist, um animierten und vor allem spassigen Sprachunterricht zu vermitteln, zeigt allein schon die Bezeichnung, die sich ihr "Wednesday English" eingehandelt hat. Inoffiziell heisst der Kurs längst "Wednesday Senglish", weil man da soviel singt und jede Menge ausgelassene Rollenspiele stattfinden.